So könnte sich der Frühling anhören. Blaugrün-pastellig, sanft, bisschen wetterwendisch, kapriolenschlagend. Seabear kultivieren auf ihrem Zweitling »WE BUILT A FIRE« eine verspielte, großäugige Folkpopzärtlichkeit, zu der die Gänseblümchen sonnig nicken. Was ein sanfter Barde, dieser Sindri Már Sigfússon! Was nicht heißt, dass das isländische Septett hier eine heile Welt entwirft, in der wir uns alle liebhaben. Niederlagen und Traurigkeiten kriechen von den Seitenrändern ins Zentrum, werden von euphorischen Eruptionen tapfer zurückgeschlagen. Seabear wagen hier mutige Eskapeden um unbekannte Ecken, tragen mit dickem Pinseln auf: Streicher, Piano, Bläser. Die isländischen Hjaltalín und die amerikanischen Anathallo sind als Geschwister im Geiste nicht fern.
Aufbrechen. Das Abenteuer im Kleinen wagen. Naiv sein. Kindlich sein. Spieluhren aufziehen. Zum Tanz aufspielen, bis sich Röcke und Haare bauschen. Dass sich dahinter durchaus durchdachte, intelligente Songstrukturen und eine große stilistische Vielfalt von verträumtem Lo-fi Country bis Indierock verbergen, haben die Sieben fein versteckt. Aber ihr Ziel auch so erreicht: Herzen öffnen und vielleicht sogar brechen
